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„Im Spitzbubenland“ – Räuberbanden um 1800 in Schwaben

7. März bis 2. Mai 2010 im KMZ (Kultur- und Museumszentrum Glatt) Schloss Glatt

Hannikel im Sulzer Gefängnis, Gemälde von Johannes Hermann 1786/87(?).



Das Kultur- und Museumszentrum Schloss Glatt in Sulz am Neckar präsentiert vom 7. März bis 2. Mai 2010 die Sonderausstellung „Im Spitzbubenland“ – Räuberbanden um 1800 in Schwaben.

Süddeutschland war um 1800 ein „Eldorado“ für Räuberbanden: es gab Wälder, wilde Landschaften und zahlreiche kleinere, nah beieinander liegende Hoheitsgebiete, alles gute Voraussetzungen, um sich leicht verstecken und bei Verfolgung schnell über die Grenze „verschwinden“ zu können. So erhielt das Gebiet im Laufe der Zeit in der Gaunersprache den Namen „Spitzbubenland“. Kriege, Hungersnöte und Armut zwangen bis zu 10 Prozent der Bevölkerung auf die Straße: Vagabunden, Hausierer, Bettler und entlassene Soldaten zogen durch das Land und versuchten, sich ihren Lebensunterhalt zu erbetteln oder notfalls auch zu ergaunern. Aus diesen Randgruppen bildeten sich Banden, die sich teilweise auch aus mehreren Familienmitgliedern zusammensetzten. Frauen gehörten ebenso zur Gruppe, sie leisteten ihren „Beitrag“ meist in Form von Markt- und Taschendiebstählen. Es entwickelte sich eine regelrechte „Gaunersprache“, die mit Worten und Zeichen eine geheime Verständigung untereinander ermöglichte. Berühmt-berüchtigte Räuberbanden wie die des Hannikel oder des „Schwarzen Veri versetzten die Bevölkerung in Angst und Schrecken, wobei insgeheim so mancher diese anarchische und scheinbar unabhängige Lebensweise „bewunderte“. Das schlug sich auch in der zeitgenössischen Literatur nieder, in der der Räuber als Rebell „glorifiziert“ wurde, wie etwa in Friedrich Schillers Stück „Die Räuber“. Auch in den Gemälden dieser Zeit wurden die Banden „verewigt“, wie zum Beispiel in den Bildern des Biberacher Malers Johann Baptist Pflug, der die Räuberbande des Schwarzen Veri während ihrer Haft besuchte und porträtierte. Die Obrigkeit dagegen konnte in diesem Handeln nichts „heroisches“ sehen, die Räuber wurden mit äußerster Unbarmherzigkeit verfolgt, es gab regelrechte „Räuberfänger“ wie den bekannten Oberamtmann Schäffer aus Sulz oder den „Malefizschenk“ aus Oberdischingen. Mit Steckbriefen, Gauner- und Diebslisten wurden Personendaten und Delikte öffentlich gemacht. Wurde ein Räuber gefangen, zögerte man nicht, drastische Bestrafungsmaßnahmen zu ergreifen, wobei der Strang eine der am häufigsten vollzogenen Todesstrafen war. Doch nicht nur dieser abschreckende Strafvollzug, sondern auch die politischen Umwälzungen wie etwa das Ende der Kleinstaaterei, verbessertes und übergreifenderes Polizeiwesen und die „Verstädterung“ der Dörfer führten dazu, dass die organisierten Räuberbanden auf dem Land allmählich „verschwanden“.

In der vom Gestaltungsbüro mück & beitler konzipierten Wanderausstellung werden Einblicke in die „Hoch-Zeit“ der Räuberbanden vom 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts gegeben. Beschrieben werden die sozialen und territorialen Voraussetzungen für das Entstehen dieser Banden, die Gaunersprache und Kleidung der Räuber, die Rolle der Frauen in den Banden oder der „Räuberalltag“ im Wald, im Lager und in den Wirtshäusern.

Erstmalig gibt es eine Begleitbroschüre zur Ausstellung mit dem Titel: „Ausgeraubt & Abgemurkst. Aus der wilden Räuberzeit um 1800“. Der reich bebilderte Band enthält alle Themen der Ausstellung, erweitert um die Schwerpunkte Vaganten, Bettler, fahrende Leute und Scharfrichter in Württemberg. Das 72-seitige Buch ist für 12,90 Euro im KMZ Schloss Glatt erhältlich.

Nähere Infos unter www.schloss-glatt.de

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 29. April 2010 um 08:47 Uhr
 
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