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Das neu eingerichtete Stadtmuseum in Freudenstadt

Frischer Wind im Stadthaus

Das neue Museum wird bis 2014 durchkonzipiert, aber jetzt schon gut besucht

Gestern strömte nicht nur der Regen, es strömten auch die Touristen ins neugestaltete Museum im Stadthaus. Erfreut darüber, lehnen sich die Macher/innen dennoch nicht zurück. Vieles bleibt noch zu tun. Erst 2014 wird das Haus gänzlich durchgestylt sein.

Freudenstadt. Die Konzeption steht, und Teile davon sind schon anschaulich und ansprechend umgesetzt. Doch fertig wird ein Museum mit dem Anspruch, Stadt und Landkreis Freudenstadt abzubilden, nie. Es soll stets Raum bieten für neue Ideen, neue Exponate, „es ist ein Prozess“, sagt Chef-Archivarin Dr. Renate Karoline Adler. Jedoch lassen die bereits umgesetzten Themenbereiche „Der Wald lockt“, „Sommerfrischler, Luftschnapper, Touristen“ und „Eine Zeitreise in die 1950-er Jahre“ die dahinter stehende Idee deutlich erkennen. Und die heißt: Weniger ist mehr.

Aussagekräftige Exponate sowie prägnante Texte und Fotos berichten von der Entwicklung einer eher hinterwäldlerischen zu einer touristisch angesagten Region und erzählen damit auch ein Stück Kulturgeschichte. „Der Tourismus hat das Gesicht der gesamten Region verändert; der Wald wurde erschlossen; Hotelpaläste entstanden; Privatleute nahmen Gäste auf; der Souvenirhandel blühte; mit dem Interesse von außen an der Region wuchs das Interesse daran auch bei den Bewohnern; ein neues Selbstbewusstsein entstand“, skizzierte Adler die Umbrüche.

Wiewohl auf die Heimat bezogen, ist ihr und allen anderen an der Konzeption beteiligten Archivarinnen des Landkreises daran gelegen, im neuen Museum nicht der Heimattümlei zu verfallen.

Die Macher des neuen Heimatmuseums im Stadthaus

Hergestellt wird der Gesamtzusammenhang. So „lockte“ der Wald, weil andernorts – vor allem in den großen Städten – die Industrie aufkeimte. Wald wurde, zunächst nur von einigen Individualisten, als Oase der Ruhe entdeckt. So ist mit Erstaunen zu lesen, dass die ersten Sommerfrischler sich in tief im Wald versteckte Dörfer, beispielsweise Besenfeld oder Kälberbronn, einmieteten. Als neue medizinische Erkenntnisse gesunde Luft als Heilmittel priesen, entstand neben der Badekur die sogenannte Frischluftkur. Die „Luftschnapper“ strömten. Neue Straßen und Bahnlinien taten ihr übriges. Die Bewohner der Region fanden dem Tourismus geschuldete, vielfältige Verdienstmöglichkeiten. Und selbst Dörfer, die außerhalb des Schwarzwalds lagen, hängten sich an den Trend an, um davon zu profitieren. „Wir haben bei unseren Recherchen keinen Ort im Landkreis ohne Bezug zum Tourismus gefunden,“ so Adler. Eine detaillierte Aufarbeitung soll noch in die Ausstellung eingearbeitet werden.

Die „Zeitreise in die 1950-er Jahre“ will Renate Karoline Adler als Reminiszenz an das Stadthaus selbst verstanden wissen. Exponate hierzu sind im Foyer des ersten Stocks auf der Ebene der Stadtbücherei zu finden. Freilich sind die gezeigten Gegenstände im Wesentlichen Leihgaben des Landesmuseums Karlsruhe. Doch sind sich die Archivarinnen sicher, dass sich in hiesigen Haushalten noch manches 50-er-Jahre-Typisches finden lässt, so dass die jetzt gezeigten Gegenständen sukzessive ausgetauscht werden können.

Der sich auf der gleichen Ebene befindliche Ostflügel des Stadthauses soll im Frühjahr des kommenden Jahres eröffnet werden mit dem Thema „Zerstörung und Wiederaufbau“. Folgen wird dann 2012 der ein Stock höher liegende Schweizer Saal als Herzstück des Museums. Hier soll sich der Landkreis Freudenstadt in seinem Facettenreichtum präsentieren können. Dazu müssen jedoch zunächst einmal alle Exponate in den dort jetzt vorhandenen Vitrinen gesichtet und archiviert werden, umriss Adler das Ausmaß der Umgestaltung. Angedacht ist, in den beiden Dachgeschossen dem Handwerk und Waldgewerbe ein Andenken zu bewahren.

Glücklich zeigten sich die Macherinnen darüber, dass in dieses zentrale und architektonisch außergewöhnliche, aber dennoch ein Schattendasein führende Haus „frischer Wind“ eingezogen ist. Das neue Museum sei ein Angebot nicht nur für Touristen, sondern für die gesamte Landkreisbevölkerung. „Die Einheimischen sollen es als ihr Haus begreifen“, so Adler. Denn in dem Sinne wurde es Anfang der 50-er Jahre auch vom damaligen Bürgermeister Saam erbaut: Als „Bürgerhaus mit Museum“, finanziert mit Mitteln des Landes. Als „Glücksfall“ bezeichnete sie, dass sich dafür drei Träger fanden: der Kreis und die Stadt Freudenstadt sowie der Heimat- und Museumsverein.

Info Wer Ideen oder Gegenstände fürs Museum liefern möchte, wende sich an Anja Riechmann, Telefon 0 74 41/ 89 02 54. Das Museum ist montags und freitags von 15 bis 18 Uhr, dienstags und mittwochs von 9 bis 18 Uhr, donnerstags von 9 bis 19.30 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.



aus der Südwestpresse vom 13.8.2010

Zuletzt aktualisiert am Samstag, den 08. Januar 2011 um 07:26 Uhr
 
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